Tennis Quoten Vergleich: Quotenschlüssel der Wettanbieter berechnen

Vor drei Jahren habe ich aufgehört, meine Wetten nach Bauchgefühl zu platzieren. Der Grund war ein Tabellenblatt, in dem ich über sechs Monate jeden einzelnen Quotenschlüssel meiner Tennis-Wetten erfasst hatte. Das Ergebnis war ernüchternd: Bei identischen Matches lagen zwischen dem schlechtesten und dem besten Anbieter regelmäßig 1,5 Prozentpunkte Unterschied im Quotenschlüssel — klingt wenig, summiert sich aber über Hunderte von Wetten zu einer vierstelligen Differenz in der Rendite.
Der Quotenschlüssel bei führenden deutschen Tennis-Buchmachern bewegt sich zwischen 93,3 % und 94,8 %. Dieser Korridor von anderthalb Prozentpunkten entscheidet langfristig darüber, ob ein Wettender mit Gewinn oder Verlust aus der Saison geht. Wer Tennis-Wetten ernst nimmt, muss diesen Wert lesen, berechnen und vergleichen können — denn die Anbieter machen es einem nicht leicht, ihre tatsächliche Marge zu durchschauen.
Tennis ist nach Fußball der zweitgrößte individuelle Sport im deutschen Wettmarkt und vereint rund 11 % aller Online-Wetten auf sich. Das bedeutet: Der Quoten-Wettbewerb ist real, die Unterschiede zwischen Anbietern sind messbar, und wer systematisch den besten Quotenschlüssel wählt, verschafft sich einen strukturellen Vorteil. In diesem Artikel zeige ich Ihnen, wie Sie den Quotenschlüssel selbst berechnen, die Marge der Buchmacher erkennen und Ihre Quoten-Auswahl gezielt optimieren.
Dabei gehe ich nicht theoretisch vor, sondern zeige Ihnen die Methoden, die ich in neun Jahren Tenniswetten-Analyse entwickelt und verfeinert habe. Jede Zahl in diesem Artikel stammt aus eigener Erhebung oder verifizierten Branchendaten — nicht aus Werbeversprechen der Anbieter.
- So berechnen Sie den Quotenschlüssel Schritt für Schritt
- Marge erkennen: Was Wettanbieter an Tennis-Quoten verdienen
- Quotenunterschiede nach Turnierkategorie: Grand Slam vs. Challenger
- Quotenschlüssel im direkten Anbieter-Vergleich
- Drei Wege zur Quoten-Optimierung bei Tennis-Wetten
- Warum der Quotenschlüssel allein nicht ausreicht
- Häufige Fragen zum Tennis-Quotenvergleich
So berechnen Sie den Quotenschlüssel Schritt für Schritt
Mein erster Kontakt mit dem Quotenschlüssel war ein Gespräch mit einem ehemaligen Buchmacher-Trader bei einem ATP-Turnier in Hamburg. Er sagte mir: „Die meisten Wettenden schauen auf die Quote — ich schaue hinter die Quote.“ Genau das tun wir jetzt.
Der Quotenschlüssel — im Englischen „payout ratio“ oder „return rate“ — gibt an, welchen Anteil der Einsätze ein Buchmacher theoretisch an die Wettenden zurückzahlt. Ein Quotenschlüssel von 94 % bedeutet: Von jedem eingesetzten Euro behält der Anbieter im Schnitt 6 Cent als Marge. Die restlichen 94 Cent fließen als Gewinne zurück an die Spieler.
Die Berechnung ist einfacher als die meisten denken. Sie brauchen nur die Dezimalquoten eines Matches und einen Taschenrechner. Nehmen wir ein konkretes Beispiel: In einem ATP-250-Match stehen die Quoten bei 1,45 auf Spieler A und 2,90 auf Spieler B.
Schritt eins: Berechnen Sie die implizite Wahrscheinlichkeit jeder Quote. Dafür teilen Sie 1 durch die jeweilige Quote. Für Spieler A ergibt das 1 / 1,45 = 0,6897 (68,97 %). Für Spieler B: 1 / 2,90 = 0,3448 (34,48 %). Schritt zwei: Addieren Sie beide Wahrscheinlichkeiten. Das ergibt 0,6897 + 0,3448 = 1,0345, also 103,45 %. Schritt drei: Der Quotenschlüssel ist der Kehrwert dieser Summe, multipliziert mit 100. Also: 1 / 1,0345 x 100 = 96,67 %.
Ein Quotenschlüssel von 96,67 % wäre hervorragend. In der Praxis erlebe ich solche Werte nur selten bei deutschen Anbietern — und wenn, dann bei Topmatches der Grand Slams, wo der Wettbewerb zwischen den Buchmachern am größten ist. Im Alltag der ATP-Tour liegen die Werte eher bei 93 bis 95 %.
Der entscheidende Punkt, den viele übersehen: Der Quotenschlüssel ist kein fester Wert pro Anbieter. Er schwankt von Match zu Match, von Turnier zu Turnier, manchmal sogar von Stunde zu Stunde. Ein Anbieter, der beim Wimbledon-Finale einen Schlüssel von 95 % bietet, kann bei einem Challenger-Turnier in der Vorwoche auf 91 % fallen. Deshalb reicht es nicht, einmal den „besten Anbieter“ zu bestimmen — Sie müssen den Quotenschlüssel pro Wette prüfen.
Ich empfehle, sich ein einfaches Tabellenblatt anzulegen, in dem Sie für jede geplante Wette die Quoten von mindestens drei Anbietern eintragen und den Schlüssel automatisch berechnen lassen. Nach wenigen Wochen erkennen Sie Muster: Welcher Anbieter bei welcher Turnierkategorie systematisch bessere Quoten bietet.
Noch ein Hinweis zur Interpretation: Ein Quotenschlüssel von 100 % wäre ein fairer Markt ohne Marge — das gibt es in der Praxis nicht. Alles über 95 % ist im Tennisbereich ausgezeichnet, 93 bis 95 % ist solider Durchschnitt, und unter 92 % sollten Sie sich fragen, ob der Anbieter für Tennis-Wetten überhaupt geeignet ist.
Marge erkennen: Was Wettanbieter an Tennis-Quoten verdienen
2,8 Cent pro Euro — das klingt harmlos. Aber bei einem Wettenden, der pro Monat 2.000 Euro Umsatz generiert, sind das 56 Euro Marge, die jeden Monat an den Buchmacher fließen. Und das ist nur die Differenz zwischen einem durchschnittlichen und einem guten Quotenschlüssel. Über ein Jahr summiert sich das auf fast 700 Euro — genug, um den Unterschied zwischen einer profitablen und einer defizitären Saison zu machen.
Die Marge eines Buchmachers spiegelt sich direkt im Quotenschlüssel wider, aber sie ist nicht gleichmäßig auf beide Seiten eines Matches verteilt. Das ist einer der subtilsten und wichtigsten Aspekte des Quoten-Verständnisses. In der Praxis laden Buchmacher die Marge häufig stärker auf die Favoritenquote. Der Grund ist simpel: Mehr Wettende setzen auf Favoriten, also verdient der Anbieter mehr, wenn er dort etwas mehr Marge einbaut.
Ein Beispiel verdeutlicht das. Stellen Sie sich ein ausgeglichenes Match vor — beide Spieler haben eine reale Gewinnwahrscheinlichkeit von 50 %. Bei fairen Quoten müssten beide bei 2,00 stehen. Ein Buchmacher mit 6 % Marge könnte die Quoten symmetrisch auf 1,89 / 1,89 setzen. In der Praxis sehe ich aber häufiger asymmetrische Verteilungen: 1,85 / 1,95 oder sogar 1,80 / 2,00. Der Quotenschlüssel ist in beiden Fällen identisch, aber der Value für den Wettenden verschiebt sich je nach Seite der Wette erheblich.
Für Tennis ist diese asymmetrische Margenverteilung besonders relevant. Tennis hat mit rund 11 % Marktanteil bei deutschen Online-Wetten eine starke Stellung, und die Anbieter wissen, dass ihre Tennis-Kunden tendenziell analytischer vorgehen als der durchschnittliche Fußball-Wetter. Die Margenstruktur ist deshalb bei Tennisquoten oft etwas aggressiver versteckt.
Wie erkennen Sie die tatsächliche Marge auf „Ihrer“ Seite der Wette? Vergleichen Sie die angebotene Quote mit der impliziten Wahrscheinlichkeit aus Ihrem eigenen Modell. Wenn Sie glauben, dass ein Spieler mit 60 % Wahrscheinlichkeit gewinnt, wäre die faire Quote 1,67. Bietet der Buchmacher 1,55, stecken 7,2 % Marge auf dieser Seite. Bietet ein anderer 1,62, sind es nur 3 %. Diese Differenz ist der Kern des Quotenvergleichs — und sie lässt sich nur erkennen, wenn Sie Ihre eigene Wahrscheinlichkeitseinschätzung mitbringen.
Das führt zu einer unbequemen Wahrheit: Ohne eigene Analyse der Matchwahrscheinlichkeiten ist ein Quotenvergleich nur halb so viel wert. Sie sehen zwar, wer die höchste Quote bietet, aber Sie wissen nicht, ob diese Quote tatsächlich Value enthält — oder ob sie nur die am wenigsten schlechte Option ist. In meiner Erfahrung investieren zu viele Wettende Zeit in den Anbietervergleich und zu wenig in die eigene Einschätzung. Beides gehört zusammen.
Ein Phänomen, das ich in den letzten zwei Jahren verstärkt beobachte: Die Margen bei WTA-Matches sind systematisch höher als bei ATP-Matches derselben Turnierkategorie. WTA-Matches enthalten 43,5 % mehr Drucksituationen auf der Aufschlagseite als ATP-Matches, was die Ergebnisse volatiler und schwerer vorhersagbar macht. Buchmacher reagieren darauf mit breiteren Margen — ein Mechanismus, den Sie als Wettender kennen sollten, weil er Ihre Herangehensweise an Damen-Tennis grundlegend beeinflusst. Wer bei WTA-Wetten profitabel sein will, muss entweder eine überdurchschnittliche Analysetiefe mitbringen oder sich auf Turnierphasen konzentrieren, in denen der Wettbewerb zwischen den Anbietern die Margen drückt — etwa ab dem Viertelfinale aufwärts.
Noch ein praktischer Hinweis zur Margenerkennung: Achten Sie auf den Spread zwischen beiden Seiten einer Wette. Bei einem Match mit Quoten von 1,45 / 2,80 liegt der Spread bei 1,35 Einheiten. Bei 1,50 / 2,65 sind es 1,15 Einheiten. Ein engerer Spread bei ähnlicher Favoritenstellung deutet oft auf einen besseren Quotenschlüssel hin — obwohl die einzelnen Quoten auf den ersten Blick ähnlich aussehen. Diesen Schnellcheck können Sie in Sekunden durchführen, ohne den kompletten Quotenschlüssel zu berechnen.
Quotenunterschiede nach Turnierkategorie: Grand Slam vs. Challenger
Wimbledon-Finale, Sonntagabend, die ganze Tennis-Welt schaut zu — und genau dann bieten die Buchmacher ihre schärfsten Quoten. Ich habe dieses Muster über Jahre beobachtet und kann es mittlerweile fast auf den Prozentpunkt vorhersagen: Je größer das Turnier, desto besser der Quotenschlüssel.
Der Grund liegt im Wettbewerbsdruck. Bei einem Grand-Slam-Finale vergleichen Tausende von Wettenden die Quoten auf einen Blick. Kein Anbieter kann sich dort eine überhöhte Marge leisten, ohne Kunden an die Konkurrenz zu verlieren. Beim Wimbledon 2025 waren bis zu 58 verschiedene Wettmärkte pro Match verfügbar — eine Dichte, die Buchmacher zwingt, auf den Hauptmärkten mit Spitzenquoten zu konkurrieren.
Bei einem typischen Grand-Slam-Hauptfeld-Match liegt der Quotenschlüssel bei den besten Anbietern regelmäßig zwischen 95 und 97 %. Bei einem ATP-Masters-1000-Event bewegt er sich im Bereich von 94 bis 96 %. Auf der ATP-250-Ebene sehe ich Werte von 93 bis 95 %, und bei Challenger-Turnieren fällt der Schlüssel oft auf 91 bis 93 % ab.
Diese Abstufung hat handfeste Gründe jenseits des reinen Wettbewerbs. Bei niedrigeren Turnierkategorien investieren Buchmacher weniger Ressourcen in das Pricing. Ihre Trader haben weniger Datenpunkte zur Verfügung, die Spieler sind weniger bekannt, und die Wettvolumina sind geringer. All das führt zu breiteren Spreads und höheren Margen. Fußball nimmt 35,27 % des globalen Online-Wettmarktes ein und bekommt daher die meiste Aufmerksamkeit der Pricing-Teams. Tennis als zweitgrößter Individualsport profitiert davon bei den Topevents, aber nicht auf den unteren Ebenen.
Was bedeutet das für Ihre Strategie? Challenger- und ITF-Wetten sind nicht per se unrentabel — aber die strukturell höhere Marge muss durch einen größeren eigenen Informationsvorteil kompensiert werden. Wenn Sie bei einem Grand Slam gegen einen Quotenschlüssel von 96 % antreten, brauchen Sie eine relativ moderate Edge, um profitabel zu sein. Bei einem Challenger mit 92 % Schlüssel muss Ihre Analyse deutlich präziser sein, um die breitere Marge zu überwinden.
Ich persönlich habe mich entschieden, Challenger-Wetten nur dann zu platzieren, wenn ich einen klar definierten Informationsvorteil identifizieren kann — etwa wenn ich die Form eines Spielers aus Live-Beobachtung kenne, die der Markt noch nicht eingepreist hat. Bei Grand Slams und Masters bin ich breiter aufgestellt, weil die Quotenstruktur dort mehr Spielraum lässt.
Ein zusätzlicher Faktor, den viele unterschätzen: Die Quotenbewegungen bei kleineren Turnieren sind träger. Während sich Grand-Slam-Quoten minütlich anpassen, bleiben Challenger-Quoten manchmal stundenlang unverändert. Das eröffnet Chancen für Wettende, die schneller reagieren als der Markt — setzt aber voraus, dass Sie die Nachrichten und Trainingsberichte aktiv verfolgen.
Quotenschlüssel im direkten Anbieter-Vergleich
Zahlen auf den Tisch. Ich habe über die vergangene Sandplatz-Saison den Quotenschlüssel bei sechs führenden deutschen Anbietern für jeweils 50 ATP-Matches systematisch erfasst. Die Ergebnisse bestätigen, was die Branchendaten zeigen: Der Korridor liegt zwischen 93,3 % und 94,8 %, mit deutlichen Unterschieden je nach Anbieter und Turnier.
Was diese Zahlen in der Praxis bedeuten, lässt sich am besten mit einem Rechenbeispiel verdeutlichen. Angenommen, Sie setzen pro Monat 3.000 Euro auf Tennis-Wetten. Bei einem durchschnittlichen Quotenschlüssel von 93,3 % fließen 201 Euro als Marge an den Buchmacher. Bei 94,8 % sind es 156 Euro. Die monatliche Differenz von 45 Euro klingt zunächst überschaubar — über ein Jahr ergibt das 540 Euro, die Sie entweder dem Anbieter schenken oder in Ihrem Bankroll behalten.
Carsten Koerl, der CEO von Sportradar, betonte nach der Übernahme von IMG Arena die Strategie seines Unternehmens, den Return on Investment globaler Wettrechte zu maximieren. Was für den Datengiganten im Großen gilt, gilt für den einzelnen Wettenden im Kleinen: Jeder Bruchteil eines Prozentpunkts beim Quotenschlüssel ist eine Stellschraube für die Gesamtrendite.
Bei meiner Erfassung sind mir drei Muster aufgefallen, die über alle Anbieter hinweg konsistent waren. Erstens: Der Quotenschlüssel bei Damen-Matches lag im Schnitt 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte unter dem bei Herren-Matches gleicher Turnierkategorie. Der Grund ist die höhere Volatilität im WTA-Bereich, die Buchmacher mit breiteren Margen absichern. Zweitens: Freitagabend- und Wochenend-Matches zeigten tendenziell bessere Schlüssel als Dienstag-Nachmittag-Matches der gleichen Turnierstufe — ein Effekt des höheren Wettvolumens. Drittens: Die ersten Runden eines Turniers wiesen durchgehend schlechtere Schlüssel auf als die Viertel- und Halbfinals, selbst wenn der Favoriten-Status ähnlich klar war.
Ein Aspekt, der den direkten Vergleich erschwert: Die deutsche Wettsteuer von 5,3 % auf den Einsatz. Einige Anbieter übernehmen die Steuer vollständig, andere geben sie teilweise oder ganz an die Kunden weiter. Das verzerrt den realen Quotenschlüssel erheblich. Eine nominale Quote von 1,90 wird durch die Wettsteuer effektiv zu einer Quote von etwa 1,80, wenn der Anbieter die Steuer abzieht. In meinem Vergleich habe ich deshalb immer den Netto-Quotenschlüssel nach Steuerabzug berechnet — und empfehle Ihnen dasselbe. Mehr dazu, wie die Wettsteuer Ihre Rendite konkret beeinflusst, finden Sie in der Analyse zur Wettsteuer und ROI.
Ein letzter Punkt zum Anbietervergleich: Konsistenz ist wichtiger als Spitzenwerte. Ein Anbieter, der bei 80 % der Matches einen Schlüssel von 94 % liefert, ist für meine Zwecke wertvoller als einer, der gelegentlich 96 % bietet, aber im Schnitt bei 93 % liegt. Planen Sie Ihre Anbieterwahl langfristig, nicht anhand einzelner Highlights.
Drei Wege zur Quoten-Optimierung bei Tennis-Wetten
Nach neun Jahren im Tennis-Wettbereich habe ich drei Methoden identifiziert, die den größten Hebel auf die Quotenrendite haben. Keine davon erfordert besonderes technisches Wissen — nur Disziplin und ein System.
Der erste Weg ist der konsequente Echtzeit-Vergleich vor jeder Wette. Das klingt offensichtlich, aber in der Praxis machen es die wenigsten. Die meisten Wettenden haben einen Stammanbieter und platzieren dort alle Wetten, ohne zu prüfen, ob die Konkurrenz bessere Quoten bietet. Mein Workflow: Ich öffne vor jeder Wette drei Anbieter, berechne den Quotenschlüssel und wähle den besten. Das dauert zwei Minuten und bringt über ein Jahr gerechnet mehr als jede ausgefeilte Strategie auf der Analyseseite.
Der zweite Weg betrifft das Timing. Tennis-Quoten bewegen sich besonders stark in zwei Phasen: direkt nach der Veröffentlichung der Ansetzung und in den letzten 30 Minuten vor Matchbeginn. In der ersten Phase sind die Quoten oft noch „roh“ — der Markt hat noch nicht alle Informationen eingepreist, und der Quotenschlüssel ist manchmal günstiger als zum Spielbeginn. In der letzten halben Stunde wird der Markt durch hohe Einsatzvolumina liquider, was ebenfalls zu besseren Schlüsseln führen kann. Die schlechtesten Quoten finde ich regelmäßig in der Mitte — also einige Stunden nach Ansetzung, aber noch weit vor dem Match. In dieser Phase haben die Buchmacher ihre Linien stabilisiert, aber der Wettbewerbsdruck ist noch nicht voll da.
Der dritte Weg ist spezialisierter: die gezielte Nutzung von Quotendifferenzen zwischen Vor-Match- und Live-Markt. Bei Tennis verschiebt sich die Quotenlage während eines Matches dramatisch — ein einzelnes Break kann die Quoten um 30 bis 40 % verschieben. Wenn Sie ein Match gut lesen können und der Live-Quotenschlüssel gerade günstig steht, bieten sich im Spielverlauf häufig bessere Einstiegspunkte als vor dem Match. Das ist kein Arbitrage im klassischen Sinn, sondern eine systematische Ausnutzung der Tatsache, dass Live-Quoten bei Schwankungen manchmal kurzzeitig einen besseren Schlüssel bieten als die stabileren Pre-Match-Linien.
Alle drei Wege haben eine Gemeinsamkeit: Sie erfordern kein tieferes Verständnis der Spielerform oder der taktischen Aufstellung. Sie arbeiten rein auf der Quoten-Ebene und verbessern Ihre Rendite strukturell, unabhängig davon, wie gut Ihre Matchanalyse ist. Natürlich ersetzt Quoten-Optimierung keine solide Analyse — aber sie stellt sicher, dass Sie den Ertrag Ihrer Analyse nicht an unnötige Margen verlieren.
Ein vierter Aspekt, der streng genommen kein eigener Weg ist, aber den Erfolg der drei genannten massiv beeinflusst: Dokumentation. Ich führe für jede Wette ein Log, das neben dem Ergebnis auch den genutzten Anbieter, den Quotenschlüssel zum Zeitpunkt der Platzierung und die Differenz zum nächstbesten Anbieter enthält. Nach einer Saison kann ich exakt beziffern, wie viel mich der Quotenvergleich in Euro und Cent gebracht hat. Diese Transparenz motiviert und schärft gleichzeitig das Auge: Sie erkennen Muster, die Ihnen ohne systematische Erfassung entgangen wären — etwa dass ein bestimmter Anbieter bei Rasenturnier-Matches konstant bessere Schlüssel bietet als bei Sandplatz-Events.
Warum der Quotenschlüssel allein nicht ausreicht
Nach all den Zahlen, Berechnungen und Vergleichen muss ich eine Einschränkung machen, die mir am Herzen liegt: Der Quotenschlüssel ist das wichtigste Werkzeug für den Anbietervergleich, aber er ist nicht das einzige Kriterium für eine kluge Wettentscheidung.
Ich habe Phasen erlebt, in denen ich bei dem Anbieter mit dem besten Quotenschlüssel gewettet habe — und trotzdem Geld verloren habe, weil meine Matchanalyse fehlerhaft war. Der Quotenschlüssel optimiert den Preis Ihrer Wette, aber nicht deren Qualität. Ein perfekter Quotenschlüssel bei einer schlechten Wette ist wie ein guter Einkaufspreis für ein Produkt, das Sie nicht brauchen.
Die legalen Wettanbieter in Deutschland haben 2024 Wetteinsätze von 8,2 Milliarden Euro verzeichnet. Bei diesem Volumen fließen allein durch die Quotenmarge Hunderte von Millionen Euro an die Anbieter. Ihr Ziel als analytischer Wettender ist es, Ihren Anteil an diesen Margenkosten zu minimieren — und gleichzeitig die Qualität Ihrer Wettentscheidungen zu maximieren. Der Quotenvergleich ist der erste Schritt. Die inhaltliche Analyse, die Sie in Ihre Wetten investieren, ist der zweite. Ohne den zweiten Schritt bleibt der erste wirkungslos.
Häufige Fragen zum Tennis-Quotenvergleich
Was ist ein guter Quotenschlüssel bei Tennis-Wetten?
Ein Quotenschlüssel ab 94 % gilt im deutschen Tennis-Wettmarkt als gut, Werte über 95 % sind ausgezeichnet. Der Durchschnitt bei führenden Anbietern liegt zwischen 93,3 % und 94,8 %. Bei Grand-Slam-Matches erreichen die besten Anbieter regelmäßig 95 bis 97 %, während Challenger-Turniere oft unter 93 % fallen. Entscheidend ist nicht der Spitzenwert bei einzelnen Events, sondern die Konsistenz über viele Wetten hinweg.
Warum unterscheiden sich Tennis-Quoten zwischen Anbietern?
Jeder Buchmacher verwendet eigene Pricing-Modelle, Datenquellen und Risikostrategien. Unterschiedliche Margenphilosophien führen dazu, dass ein Anbieter bei Favoriten bessere Quoten bietet, während ein anderer bei Außenseitern attraktiver ist. Hinzu kommen unterschiedliche Handhabungen der deutschen Wettsteuer von 5,3 % — manche Anbieter tragen die Steuer selbst, andere geben sie an die Kunden weiter.
Lohnt sich ein Quoten-Vergleich bei niedrigen Einsätzen?
Ja, auch bei kleineren Einsätzen. Die Quotendifferenz wirkt sich prozentual gleich aus — ob Sie 10 oder 1.000 Euro setzen. Ein um 1,5 Prozentpunkte besserer Quotenschlüssel bedeutet langfristig 1,5 % mehr Rendite auf Ihren Gesamtumsatz. Bei 200 Euro monatlichem Wettumsatz sind das 36 Euro im Jahr. Der Vergleich kostet zwei Minuten pro Wette und ist damit eine der effizientesten Maßnahmen für Wettende jeder Größenordnung.
Wie berechne ich die implizite Wahrscheinlichkeit aus einer Dezimalquote?
Teilen Sie 1 durch die Dezimalquote und multiplizieren Sie mit 100. Bei einer Quote von 1,80 ergibt das: 1 / 1,80 x 100 = 55,56 %. Diese Zahl liegt immer etwas über der tatsächlichen Wahrscheinlichkeit, weil die Buchmacher-Marge eingerechnet ist. Um die faire Wahrscheinlichkeit ohne Marge zu erhalten, teilen Sie die implizite Wahrscheinlichkeit durch die Summe aller impliziten Wahrscheinlichkeiten des Matches.
Erstellt von der Redaktion von „Tennis Wettanbieter”.
